Schick mich in die nächste Welt
Shownotes
Augen auf im Straßenverkehr, ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und schon ist alles vorbei….oder vielleicht doch nicht?
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00:00:01: Herzlich willkommen bei.
00:00:02: Alles wird gut, Geschichten aus den kommenden Tagen.
00:00:07: Unsere heutige Episode heißt Schick mich in die nächste Welt.
00:00:13: Beim ersten Mal wusste ich dass sich sterben würde.
00:00:16: das heißt ganz sicher war ich mir nicht.
00:00:19: es gab natürlich eine Resthoffnung aber obwohl ich eigentlich ein optimistisch denkender Mensch bin war mir klar dass ich nicht heil aus dieser Sache herauskommen konnte.
00:00:29: Ich habe schon so manche Scheiße in meinem Leben gebaut und immer wieder war ich glimpflich davon gekommen Wer sich ein Gefahr begibt, kommt irgendwann darin um.
00:00:38: Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht und ich habe mich schon so einiges gebrochen.
00:00:44: Als Kind seine Kletterkünste zu überschätzen und vom Baum zu fallen.
00:00:48: als Jugendlicher nach einigen Trainingsminuten mit dem Skateboard einer abschüssige Straße runterzurasen mag ja noch angehen Aber als erwachsener Mann völlig unnötig seiner Ungeduld nachzugeben Und einen schleichenden Traktor in einer kurvenreichen, högeligen Straße zu überholen kratzt schon stark an der Schwelle zur Dänlichkeit.
00:01:11: Es schien als habe der Herr im Himmel einmal so oft ein Auge zugedrückt.
00:01:17: Sein Geduldsfaden war gerissen und er schickte mir ein Lkw auf die Gegenfahrbahn.
00:01:23: Mit Jochens alter Karre, den ich mir in diesem Tag geliehen hatte, war es unmöglich wieder rechtzeitig auf die rechte Spur zu wechseln.
00:01:32: Der Lkwe würde einige Kratzer davon tragen Aber ich würde derart mit dieser altertümlichen Karosserie, die mich in diesem Moment umgab verschmelzen dass sie Rettungssanitäter Mühe hätten meine Weichteile vom Sitzbezug zu unterscheiden.
00:01:49: Mein letzter Gedanke war gut nun ist es soweit.
00:01:54: Nun werde ich erfahren was das mit diesen Geschichten über Tunnel Licht und dem Lösen von eigenen Körper auf sich hat.
00:02:02: Das habe ich natürlich nicht gedacht.
00:02:04: so cool bin selbst ich nicht.
00:02:07: Ich war panisch und ehe ich mir über irgendetwas hätte Gedanken machen können, hatte mich der Lkw schon erwischt.
00:02:15: Nichts mehr!
00:02:17: Stille!
00:02:19: Schwerze!
00:02:21: Immer noch nichts... doch da war was oder?
00:02:31: Vogelgezwitscher?!
00:02:33: Ich war noch da aber traurte mich nicht die Augen zu öffnen denn ich wusste wenn ich noch lebe dann liege in einem Krankenhaus Verbunden mit sehr vielen Schläuchen, derart eingepackt in Mullbinnen dass man auf den ersten Blick nicht erkennen würde welche Gliedmaßen mir fehlen.
00:02:51: Mein Kopf konnte ich bewegen aber das muss nichts heißen.
00:02:54: selbst Extrem Squerschnitts gelähmte können das noch Aber ich spürte meine Hände und hob sie an.
00:03:01: Das beruhigte mich etwas.
00:03:04: Auch meine Beine waren scheinbar nach an Ort und Stelle.
00:03:08: Ich bog den Kopf etwas nach hinten und beschloss zuerst die Decke in Augenschein zu nehmen.
00:03:14: Keine Neonröhren.
00:03:15: Ein modernes Krankenhaus?
00:03:18: Mit demselben Wasserfleck wie meinem Schlafzimmer?
00:03:21: Ich schaute mich um!
00:03:24: Marietta lag neben mir, das war ihr nackter Rücken und ihre braunen Locken die chaotisch ihr Kopfkissen bedeckten.
00:03:33: ich gab hier einen Kuss auf ihrer untere Wirbelsäule und stand auf Was für ein Traum!
00:03:39: Ein Traum wie eine Nahtoderfahrung intensiver als das wahre Leben Und lehrreich.
00:03:46: Ich nahm mir vor, in Zukunft vorsichtiger zu fahren.
00:03:50: Ich strahlte – ich war wahnsinnig froh am Leben zu sein!
00:03:53: Ich strahlte Marietta an, deren zottelige Locken ihr mittlerweile im Gesicht hingen als sie schweigend am Küchentisch hockte und ihren Kaffee trank.
00:04:02: Ich wunderte mich nur, dass sie noch nicht auf Arbeit war.
00:04:05: Vielleicht hatte sie sich frei genommen?
00:04:07: Vielleicht hatte Sie es mir gestern erzählt?
00:04:09: Vielleicht hat ich es vergessen?
00:04:11: Deshalb fragt dich nicht nach.
00:04:13: Sie ist vor Ihrem ersten Kaffeesubso nicht
00:04:14: ansprechbar.".
00:04:17: Ich hingegen musste los, stieg über einige Flüchtlinge die im Hausflur nächtigten und erreichte dem Bürgersteig wo Jochen schon mit laufendem Motor an seiner Rostlaube saß.
00:04:28: Die selbe Rostlawbe die eben noch auf den Lkw geprahlt war.
00:04:33: Es war komisch dass dieser Traum nicht verblasste wie es Träume doch normalerweise tun wenn der Alltag Einzug hält.
00:04:41: Jochen hatte sich für üblich drei Zigaretten gedreht der während der Fahrt rauchen würde.
00:04:47: sie lagen auf der Ablage.
00:04:49: Die erste würde er an der ersten Ampel anzünden.
00:04:52: Die zweite, wenn wir auf die Autobahn fahren... ...die dritte an der Ampel nach der Ausfahrt.
00:04:59: Hast du das gesehen gestern?
00:05:01: fragte er griesgrämig wie jeden Morgen.
00:05:05: Dieser Duck kandidiert jetzt tatsächlich zum dritten Mal.
00:05:09: Ich dachte er macht einen blühen Scherz!
00:05:12: Duck!
00:05:14: Donald oder Dagobert Duck?
00:05:17: Wieso dagobert?
00:05:18: Donald natürlich.
00:05:20: Wenn der nochmal Präsident wird dann Prost Mahlzeit.
00:05:25: Er zog das ganz gut durch, dachte ich.
00:05:27: Verzog keine Mine.
00:05:29: Wechselte das Thema!
00:05:31: Wie geht's der Marietta?
00:05:33: Hat sie endlich einen
00:05:34: Job?!
00:05:36: Wieso hat sie doch schon lange?
00:05:39: Seit wann fragte er verwundert... Du meinest auch letzte Woche noch dass die mal endlich in den Arsch hoch kriegen sollte?
00:05:48: War das jetzt auch ein Scherz?
00:05:50: aber kein besonders Guter.
00:05:52: Oder Jochen hatte auf seiner alten Tage noch einen ganz eigenen Humor entwickelt.
00:05:58: Irgendetwas war hier faul.
00:06:01: Während der Mittagspause überflog ich im Zeitungskiosk die Schlagzeilen.
00:06:06: Es stimmte Donald Duck Der Präsident, der Milliardär Kandidierte zum dritten Mal.
00:06:14: War das ein Aprilscherz?
00:06:17: In der Comicabteilung blätterte ich in einem lustigen Taschenbuch Donald Duck hieß hier Donald Trump Sein Onkel Dargobert Trump.
00:06:27: Ein ganz schöner Aufwand um mich zu verarschen.
00:06:30: Im Laufe des Tages begegneten wir weitere Ungereimtheiten.
00:06:35: Wieso war Lars Klingbeil plötzlich Bundeskanzler?
00:06:40: Wieso hörte man nichts mal von diesem Ukraine-Krieg?
00:06:44: Warum lief nur noch Hip Hop im Radio und warum waren die Moderatoren schlecht gelaunt?
00:06:50: War das hier eine andere Welt, war mein Unfall doch kein Traum?
00:06:56: War dass hier das Leben nach dem Tod ein anderer Zeitlinie... Das mit Klingbalz zum Beispiel konnte ja noch angehen, aber warum waren manche Unterschiede derart absurd und lächerlich?
00:07:10: In der Kantine aßen alle plötzlich mit Stäbchen.
00:07:14: Es gab kein Kaffee mehr nur noch Hagebutten-Tee.
00:07:18: Man sagte jetzt Bonjour statt Mahlzeit Die ältere Nutzschulden so etwas wie Bonjour.
00:07:27: Aber man kann sich mit allen arrangieren.
00:07:30: Dass es keine Kinos mehr gab sondern nur noch Opernhäuser nervte ein bisschen War aber an sich nicht tragisch, man gewöhnt sich an alles.
00:07:40: Nur Marietta war schwer zu ertragen.
00:07:43: Sie lag den ganzen Tag auf dem Sofa und schaute moderierte Gottesdienstübertragung die hier der große Renner waren.
00:07:51: Um sie aufzurütteln verfrachtete ich uns für ein paar Tage an die Ostsee.
00:07:56: Dies führte letztendlich zu meinem zweiten Tod Der fast noch unnötiger war als der erste.
00:08:04: Ich stand am Rand einer Klippe Und sah hinab.
00:08:12: Große Tiefen ziehen mich magisch an, Ich gerate stets in einer Art Trance Es zieht mich hinunter wie ein Sog und ich musste mich zwingend nicht zu springen.
00:08:22: Das hatte ich auch nicht vor obwohl ich kurz darüber nachdachte Wie wohl die nächste Welt beschaffen sein könnte.
00:08:28: Die Böschung erwies sich dann aber als nicht so stabil wie es erst den anschauen hatte.
00:08:33: Also wieder Stille Schwerze Vogelgezwitscher und Marietta's nackte Rücken allerdings nicht im Bett, sondern am Schreibtisch wo sie wie wild etwas in ihren Rechner hemmerte.
00:08:51: Das war auch nicht unsere Wohnung, sondern eine Art Loft!
00:08:55: Mein heiß wachsentharter Körper lümmelte sich in weißen Seitenlagen.
00:09:00: Mariettas schrieb sehr erfolgreiche Coming-of-Age Romane die mir aber nicht sonderlich gefielen.
00:09:07: Viel Zeit sie zu lesen hatte ich sowieso nicht denn mein Part war die Aufzucht unserer beiden Kinder verzogene, verwöhnte Gören die mir auch nicht sonderlich gefielen so dass ich sie sehr bald sehr oft der Nanny überließ.
00:09:22: Ebenso wenig gefiel mir Marietta's beharter Körper besonders ihr Damenbad denn in dieser Welt rasierten sich nur die Männer.
00:09:32: So saß ich oft im meiner Hobbykeller Etage und trank Basilikum Bier.
00:09:37: Manchmal leistete mir Jochen Gesellschaft den dieser Welt allerdings Torben hieß und mir mit seiner weltübergreifenden schlechten Laune.
00:09:48: Was soll ich sagen?
00:09:49: Drei Wochen hielt ich durch, ehe ich während unseres madediven Urlaubs beschloss noch ein wenig weiter hinaus zu schwimmen.
00:09:58: Was mir an der nächsten Welt nicht gefiel weiß ich gar nicht mehr.
00:10:01: so genau vielleicht die ständigen Reden und Paraden Kaiser Wilhelms
00:10:04: IV.,
00:10:06: Die beiden Weltkriege hatten dort merkwürdigerweise gar nicht stattgefunden oder Marietta's Eso-Geschwafel.
00:10:13: Dort gab sie Fingerjogherseminare Aber man findet ja immer einen Harnesuppe.
00:10:22: Viel Zeit ist vergangen seitdem.
00:10:24: Da kann die Erinnerung an die vielen Welten schon etwas durcheinander geraten.
00:10:29: Vor mir liegt eine weite fast baumlose Ebene.
00:10:33: Die zweite Sonne steht schon hoch am Himmel und ich schaue in Marietta's schlammverkrustetes Gesicht.
00:10:40: Sie lächelt, sie lächelte oft in dieser Welt.
00:10:44: Mit ihrem obsidianen Messer schärft sie unsere Sperre.
00:10:49: So ein Trizeratopsjagd will gut vorbereitet sein.
00:10:53: Jochen kaut Insekten und schaut missmutig in die Ferne.
00:10:58: Ich bin müde, aber zufrieden!
00:11:01: Vielleicht bleibe ich einfach hier...
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